Der Kannibale

Es gibt wirklich nichts, was es nicht gibt in Social Media: Idi Amin Dada, der Schlächter von Kampala, vor 22 Jahren im Exil gestorben, nachdem er es in 8 Jahren Regentschaft im einstmals blühenden Uganda, der „Perle Afrikas“, zwischen 1971 und 1979 geschafft hat, 400.000 von etwa 10 Millionen Landsleuten zu ermorden, 40.000 Asiaten, die seit Generationen in Uganda lebten, kurzfristig des Landes zu verweisen, politische Gegner an die Krokodile zu verfüttern, die abgetrennten Köpfe von unliebsamen Widersachern in Kühlschränken zu sammeln und sich auch schon mal des Kannibalismus zu befleissigen, manche Leute hatte er eben zum fressen gern, reüssiert post mortem erneut zur Lichtgestalt bei jenen, die selbst kein Licht in sich tragen und ihre verwaisten Häupter nur deshalb auf ihren Schultern herumzuschleppen scheinen, damit es nicht hereinregnet.

Ob es sich denn lohne, sich auch darüber noch zu empören? Quark, das ist doch keine Empörung. Eher Faszination und Impuls zur Verwunderung, wie die „Kalte-Bäuerchen-Fantasien“ vom starken Mann bei den intellektuell Unterversorgten bis heute durchschlagen, wie man dem bizarren Thread unschwer entnehmen kann. Denen muss es nicht einmal selbst gut gehen für ihre Despotenverehrung, aber Hauptsache anderen geht es noch schlechter, dann „ist das schon ok so“. Ein einziger immerhin scheint eine mäßig originelle, aber interessante Assoziation zu haben …

Bruno SchulzComment