Mord.

Die Welt hat die afghanischen Frauen verraten. In den Threads zu diesen herzzerreissenden Bildern liest man immer wieder: „was kümmert es uns?“ oder „sollen sich andere muslimische Staaten darum kümmern, vor allem solche, die Milliarden für Fußball ausgeben“.

Ich habe Fragen. Seit wann hat irgendeine Konfession etwas mit Menschlichkeit zu tun? Wenn es doch offenkundig nicht um einen Glauben, aber das Geschlecht geht? Da findet ein systematischer Femizid im großen Stil statt und die Welt schaut zu und dreht Däumchen. Weil es nicht um wirtschaftliche oder geostrategische Interessen geht, was tatsächlich ein und dasselbe ist.

Machen wir uns doch nichts vor, es gibt nicht einmal eine Solidarität unter Frauen. Ja, ich weiß, ich könne ja selbst etwas unternehmen, was eine extrem unterkomplexe Retoure ist. Ja, könnte und würde ich, wenn ich wüsste wie. Denn Spenden kommen ja gar nicht bei den Frauen an und ich möchte kein System befördern, dass so mit der Hälfte seiner Gesellschaft umgeht. In zehn Jahren Engagement in der internationalen Entwicklungshilfe habe ich sehen können, was sinnvolle Projekte bewirken mögen. Erfolgreich waren nur die, in denen es einen gesellschaftlichen Konsens gab, was das gemeinsame Vorankommen betraf. In Afghanistan gibt es aber tatsächlich keine Spuren von Strukturen mehr, die auch nur ein Mindestmaß an Zuversicht und Perspektive zulassen und ich wollte auch niemandem zumuten, vor Ort das Leben zu riskieren, weil die Hilfe von einem nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung als Einmischung und Einflussnahme gedeutet und geahndet wird.

Für mein Dafürhalten sollte man all die steinzeitlichen Zottelbärte unter sich belassen, um Frauen und Kindern eine Flucht aus dieser Hölle zu ermöglichen, wo die Sonne niemals hinscheint. Weil sie als solche automatisch in eine nur halbwegs gedeihliche Gemeinschaft aufgenommen werden müssten. Dafür könnte man im Gegenzug ja all die theokriminellen Kerle in ihrem Paradies am Hindukusch verklappen.

Aber davon lässt sich nur träumen. Vergessen wir nicht die desillusionierenden Worte eines Egon Bahr, der 2013 für die Ewigkeit zu statuiren wusste:

„In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“

Wenigsrens stören solche Bilder das selbstgefällige Keksefressen auf der nur vermeintlich sicheren Wohlstandscouch.

Bruno SchulzComment