Neidvorwurf? Rote Karte!

Neidvorwurf?
Rote Karte!

Der unbegründete Neidvorwurf ist kein Argument. Er ist eine schamlose Killerphrase, die brutale Notbremse der Argumentlosen und will jede ernsthafte Debatte augenblicklich verunmöglichen und als Missgunstlitanei diskreditieren. Das leider nicht allen durchsichtige Framing soll jede berechtigte Kritik als aus negativen Emotionen heraus entsprungen und unlauter diffamieren. Das Problem und dessen tatsächliche Ursache sollen also auf den Kritiker übertragen werden.

Jede unkomfortable Kritik wird dreist als Charakterschwäche missinterpretiert, was darin münden soll, ihr jede Validität abzuschneiden. Zweck ist also, jeder noch so berechtigten Kritik alle Gültigkeit abzusprechen.

Eigentlich geht es ja darum, aus den Kritisierten auch noch Opfer boshafter Neider zu machen, um endgültig alle Tatsachen zu verdrehen. Nicht mehr derjenige, der sich vollkommen schmerzfrei wie eigennützig und soziopathisch an der Allgemeinheit bedient steht im Fokus, sondern die, die es wagen, dabei genauer hinzuschauen. Täter-Opfer-Umkehr - ein Klassiker. Als Todsünde wird Neid zum religiösen Vergehen. Größer geht es gerade nicht.

Der Neidvorwurf soll vor jeder Kritik immunisieren, da alle detaillierten Fragen zu unangemessener Vorteilnahme als Häresie dämonisiert werden. Es geht letztlich um die Privatisierung von Gewinnen und Sozialisierung von Schulden. Es geht um den Schutz der Reichen und Superreichen und die brutale Diskreditierung der Unterstützungsbedürftigen, die sich im Gegensatz für jeden Cent gefälligst rechtfertigen sollen. Abersinnigerweise wird der Neidvorwurf nicht selten von Leuten ausgesprochen, die selbst kaum am Katzentisch platznehmen dürfen und sich in Ermangelung jeder gesunden Selbstreflexion einer Kaste inter pares zurechnen, die sie doch tatsächlich verachtet.

Also? Der Neidvorwurf ist die perfide ad-personam-Rhetorik argumentativer Tiefflieger, die in Ermangelung aller sachlicher Punkte bemüht sind, jede unbequeme Debatte im Keim zu ersticken. Ob der Durchsichtigkeit ihres Ansinnens inzwischen häufiger ertappt, wird nicht selten wehleidig ausgewichen auf das Sandkasten-du-aber-auch-Niveau und ähnliche Hosentaschenbillardspielertricks aus der rhetorischen Mottenkiste.

Bitte lasst uns nicht darauf hereinfallen, sondern solche Bemühungen augenblicklich als das ausstellen, was sie sind: perfide Versuche, jeden Hinweis auf Missstände mundtot zu machen.

Bruno SchulzComment