Der Tag der Schachtelsätze

Gestern war der 25. Februar und somit der 20. „Tag der Schachtelsätze“, begangen demnach seit seiner Einführung im Jahr 2006 - der Ehrentag der Hypotaxe, aus dem Griechischen „hypo“ für „unter“ und „taxis“ für Ordnung, womit Satzkonstruktionen gegriffen werden in Unterordnung von Nebensätzen unter das Satzgefüge eines Hauptsatzes, die nicht selten durch Konjunktionen verbunden und im Konvolut als Stilmittel eingesetzt werden, um komplexere Zusammenhänge auch grammatikalisch abzubilden, bei denen es wie hier eben auch um den Gedenktag selbst gehen kann, den die deutschsprachige Literatur mit einem Satz aus 1.877 Wörtern aus dem 1952 erschienenen Roman „Der Tod des Vergils“ des österreichischen Schriftstellers Hermann Broch zu bedienen beabsichtigte, der die letzten 18 Stunden des römischen Dichters beschreibt und die vorherige, vermeintliche internationale Spitzenleistung von 823 Wörtern des französischen Autoren Victor Hugo in „Les Misérables“ abzulösen gedachte, was so nicht richtig sein kann, da bereits der Athener Staatsmann und Lyriker Solon einen Satz mit etwa 4500 Silben verfasst haben soll und sich also umfangreicher vernimmt, als es tatsächlich ist, denn der britische Autor Jonathan Coe hält heute den tatsächlichen Rekord mit schier unglaublichen 13.955 Wörtern, basierend auf der Idee einer tschechischen Publikation, die in Gänze aus einem einzigen Satz besteht, in seinem Werk „The Rotters' Club“ aus dem Jahr 2001, einer Geschichte, die im Birmingham der 70er Jahre spielt und inzwischen zwei Fortsetzungen kennt, bis wohl wieder einer kommt und sich befleissigt fühlt, einen noch größeren Worthaufen zu scheißen, weil das eben in der Natur des Menschen liegt und nicht selten seltsame Blüten treibt, wie beispielsweise diesen „Ehrentag des Schachtelsatzes“ selbst, nebst meiner bescheidenen Ode darauf, die bemüht ist, bis an ihr viel zu frühes Ende den roten Faden zu halten, als schließliche, zauberschöne Metapher auf die ambitionierte Kombination von Vokabeln, der wir vor nicht einmal 24 Stunden gedenken mochten - salute!

Bis dahin 2.088 Zeichen, 302 Wörter, eine kokette Fingerübung auf dem iPhone um 6 Uhr in der Früh, in meinem gemütlich warmen Bett.

Guten Morgen.

Bruno SchulzComment