Tag des Gedenkens

27. Januar 2022

Tag des Gedenkens

an die Opfer des Holocaust

Am 27. Januar 1945 wurden die allerletzten Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau in erbärmlichster Verfassung durch sowjetische Soldaten befreit. Unglaubliche 51 Jahre später, seit dem Jahr 1996 steht das Datum in Deutschland für den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Und noch weitere 9 Jahre musste es dauern, bis die Vollversammlung der Vereinten Nationen das Datum im Jahr 2005 endlich zum internationalen Datum des Gedenkens an die Opfer des Holocausts deklarierte. 60 lange Jahre! Das entspricht gemittelt 2 Generationen. Wie kann das sein?

Besser spät als nie, mögen manche denken. Selbst bald 60 Jahre alt finde ich hierin noch einen anderen, eigenen Bezug, finde und empfinde die Trägheit im Umgang mit dem Unfassbaren im Rückblick als unerträglich.

Gedenktage sind nicht selten das Ritual einer aufgesetzten Ehrung. Im Bezug auf unsere Landsleute jüdischen Glaubens, verzerren nicht wenige Offizielle diese zu einer merkwürdig eigenwerblichen Selbstehrung. Bei konditionierter Betroffenheitsspastik. Mit reflexter Hohlformel. Imagebuilding.

Nicht wenige Honoratioren drehen ihre einstudierten Runden, verklappen ein paar griffige Tiefsinnigkeiten und verzeitlupen ihre eingefrorene Ergriffenheitsmimik zur Dokumentation einer wohl eher mäßig ausgeprägten, tatsächlichen Empathiekompetenz. Die Entscheider scheuen nicht selten ihre tatsächliche Verantwortung, verbummeln die Taten nach den Worten, verbeulen die vorgebliche Staatsraison zur Unkenntlichkeit.

Und die Leute? Drehen gerade wieder auf Rechts. Kaum 80 Jahre nach dem vorläufigen Ende des Nationalsozialismus. Und schon haben sie wieder die Scheiße an den Fingern. Man möchte es laut herausschreien: was zur Hölle stimmt nicht mit Euch? Habt Ihr in Geschichte nicht aufgepasst, nicht zugehört, kein Lager besucht, keine Doku gesehen, nicht mit Betroffenen gesprochen und deren Angehörigen? Merkt Ihr noch was?

Was bleibt ist ein gefälliger Social-Media-Hashtag für das knappe Haltungsbäuerchen, den schnell getippten Ablass: #niewieder … Hallo? Das ist doch kein lockeres Befindlichkeitsbranding!

#niewieder bedeutet NIE WIEDER!

Jetzt erstrecht.

Bruno SchulzComment