Geld regiert.

„Der Reiche setzt eher Leben

für seinen Reichtum aufs Spiel

als seinen Reichtum für Leben.“

Das Bonmot, das ich leicht modifiziert dem deutschen Journalisten und Dramatiker Frank Wedekind entliehen habe, stammt noch aus der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende also. Meine Großmutter Alwine Wagner selig, geboren am 1. Oktober 1894, war da schon beinahe volljährig, nur um das für mich ins persönliche Verhältnis zu setzen. Sie hat beide Weltkriege überstanden und auch das, was danach kam, bis sie Ende der siebziger Jahre starb. Das reichte jedenfalls, um bei mir mit ihren Erzählungen aus ihren Erfahrungen heraus nachhaltig ein paar Grundgedanken anzulegen, selbst wenn ich zu dem Zeitpunkt die Pubertät noch nicht erreicht hatte. Als gesichert erscheint mir bis heute die Erkenntnis, dass große Reichtümer nur selten von deren Eignern selbst erbuckelt wurden, sondern in der Regel mit dem Leid unzähliger Elender verbunden sind. Die Beispiele sind Legion. Ebenso klar ist, dass diese Superreichen bereit sind, ihren Status mit Zähnen und Klauen zu verteidigen und davon kaum etwas abzugeben haben, ganz im Gegenteil, außer womöglich strategischer Geschenke. Das zu erkennen ist keine große intellektuelle Leistung und doch scheint der Gedanke nicht zu denen durchzudringen, die seit Generationen Federn lassen mussten, sich aber für einen Mummenschanz „Hoffnung“ wider alles bessere Wissen am Nasenring durch die Manege führen lassen. Selbst hier bei uns frohlocken diese Abgehängten entrückt über den Sieg der Misanthropie im fernen „Land der Freien“. Sie halten „den Elon“ für einen der ihren und sind bereit, als bekennende Feinstaubjunkies ihm sogar die Elektroautos durchgehen zu lassen für die Viertelmilliarde Dollar, die der in die Wahl Trumps und vor allem die eigene Zukunft investiert hat. Sie feiern ihn und merken nichts mehr. Keiner dieser Leute hat je das Wahlprogramm ihrer rechten Ikonen je gelesen, hüben wie drüben. Es ist wie bei den teuren Lebensversicherungen, bei denen keiner die Bedingungen nachliest, trotz immenser Relevanz für die eigene Zukunft. Jetzt werden sie und wir alle scharf rasiert. Weil sich Gier und Dummheit durchgesetzt haben. Gier dank Dummheit. Wie bei jeder Party folgt der Kater auf dem Fuße und wird kalt serviert. War es das wert? Den kurzen Rausch im Selbstbetrug? Oder seid Ihr wirklich so blöd?

Bruno SchulzComment